Fakten: vorläufige Ergebnisse der Kassenstatistik

Nach der Pressemitteilung Nr. 351 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 2. Oktober 2026 schloss der Öffentliche Gesamthaushalt das erste Halbjahr 2026 mit einem Finanzierungsdefizit von 98,8 Milliarden Euro ab. Im ersten Halbjahr 2025 hatte das Defizit 58,5 Milliarden Euro betragen. Erfasst sind die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung.

Den Einnahmen von 1.011,8 Milliarden Euro standen Ausgaben von 1.110,6 Milliarden Euro gegenüber. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahmen die Einnahmen um rund 2 Prozent und die Ausgaben um rund 6 Prozent zu.

Wichtige methodische Einschränkung

Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um vorläufige Ergebnisse der vierteljährlichen Kassenstatistik handelt. Diese Werte dürfen nicht mit dem Finanzierungssaldo des Staates nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) gleichgesetzt werden. Der ESVG-Saldo ist für die Maastricht-Defizitquote maßgeblich. Die Abgrenzungen unterscheiden sich methodisch; die hier genannten 98,8 Milliarden Euro sind daher kein Maastricht-/ESVG-Defizit.

Bund und Kommunen

Das Finanzierungsdefizit des Bundes betrug 72,3 Milliarden Euro, nach 30,0 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025. Es hat sich damit im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt.

Das Defizit der Gemeinden und Gemeindeverbände betrug 20,1 Milliarden Euro. Es verharrte laut Destatis auf dem Rekordniveau des ersten Halbjahres 2025. Damals war für eine erste Jahreshälfte der höchste Wert seit der deutschen Vereinigung 1990 erreicht worden.

Zinsausgaben und Sachinvestitionen

Die Zinsausgaben des Öffentlichen Gesamthaushalts stiegen gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 21,2 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro.

Die Sachinvestitionen lagen insgesamt bei 43,1 Milliarden Euro und damit unverändert auf Vorjahresniveau: Destatis nennt eine Veränderung von 0,0 Prozent. Dazu zählen Ausgaben für Bau und den Erwerb von Sachvermögen. Bei den Gemeinden gingen die Sachinvestitionen um 4,5 Prozent zurück.

Redaktionelle Einordnung

Die veröffentlichten Halbjahreswerte zeigen drei unterschiedliche Entwicklungen: Die Ausgaben wachsen deutlich schneller als die Einnahmen, die Zinsausgaben steigen stark und die Sachinvestitionen stagnieren insgesamt trotz höherer Gesamtausgaben. Bei den Gemeinden sinken die Sachinvestitionen sogar.

Diese Einordnung beschreibt ausschließlich den ausgewiesenen Vorjahresvergleich. Sie enthält keine Prognose für das Gesamtjahr und keine Schuldzuweisung. Die methodische Abgrenzung bleibt auch für die Bewertung entscheidend: Aus den Kassenstatistik-Werten wird hier weder ein Maastricht-Defizit noch eine Aussage zur Einhaltung europäischer Defizitgrenzen abgeleitet.

Quellen & Transparenz

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 351 vom 2. Oktober 2026, „Öffentliches Finanzierungsdefizit im 1. Halbjahr 2026 bei 98,8 Milliarden Euro“. Alle Zahlen beziehen sich auf vorläufige Ergebnisse der vierteljährlichen Kassenstatistik und auf den Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2025. Keine Gleichsetzung mit dem Maastricht-/ESVG-Finanzierungssaldo. Berichtsstand: 4. Oktober 2026.

Zurück zur Rubrik Wirtschaft